Wein lebt von Tradition, aber auch von Experimentierfreude.
Wer den Charakter eines Weins herausarbeiten will, muss die richtigen Entscheidungen treffen – im Rebberg, bei der Vinifikation und nicht zuletzt bei der Lagerung. Seit 2023 setzen wir bei unserem „classic“ Chardonnay auf die Methode: Betonei.
Warum? Weil wir überzeugt sind, dass Chardonnay in dieser Form der Lagerung eine neue, spannende Facette entwickeln kann – fernab von überreifen, holzlastigen oder kurzlebigen Fruchtbomben.
Das Betonei erfüllt gleich zwei wichtige Funktionen:
Die Form macht den Unterschied
Das Ei hat keine Ecken – während der Gärung, wenn der Zucker in Alkohol umgewandelt wird, steigt CO₂ auf und erzeugt eine natürliche Umwälzung. Das hält die Hefe länger in der Schwebe – was dem Wein mehr Cremigkeit, Rundheit und Geschmeidigkeit verleiht.
Das Material atmet mit
Beton ist sauerstoffdurchlässig, beeinflusst den Wein aber nicht mit Holz- oder Röstaromen. Dadurch kann er sanft reifen, bleibt aber gleichzeitig frisch und elegant.
Wir haben das Betonei nicht aus Zufall gewählt. Es war eine bewusste Entscheidung, um einen neuen, eleganteren Chardonnay-Stil zu schaffen. In der Weinwelt gibt es eine klare Tendenz zu überreifen, stark fruchtbetonten Chardonnay’s – doch genau das wollten wir anders machen.
«Wir wollten einen Chardonnay, der sich von den typischen, fast kitschig überfruchtigen Vertretern abhebt. Weniger Primäraromen, mehr Struktur, Frische und Eleganz. Der kontrollierte Sauerstoffaustausch im Betonei hilft dabei, genau diese Balance zu finden.»
Auch in unserer Region ist diese Art der Chardonnay-Reifung wenig zu finden. Das hat uns zusätzlich motiviert: Wir wollten etwas Neues ausprobieren, das gleichzeitig subtil und raffiniert bleibt – eine Interpretation von Chardonnay, die sich von der Masse abhebt und unserem Weinstil eine noch individuellere Handschrift verleiht.
Natürlich lief nicht alles auf Anhieb perfekt. Eine der grössten Herausforderungen war die Weinstein-Stabilisierung. Beton enthält Kalk, der mit der natürlichen Weinsäure reagiert. Ohne vorherige Vorbereitung würde dieser Prozess dem Wein wertvolle Säure entziehen – ein entscheidender Faktor für die Frische des Chardonnay. Zudem könnten sich Weinkristalle bilden, die sich als feste Ablagerungen im Wein niederschlagen und seine Struktur beeinträchtigen.
Unsere Lösung: Bevor der Wein ins Ei darf, bereiten wir es gezielt vor. Durch mehrfache Behandlungen mit Weinsäure sorgen wir dafür, dass alle möglichen Reaktionen bereits im Vorfeld abgeschlossen sind. Erst wenn keine Bläschen mehr aufsteigen und der Kalk vollständig neutralisiert ist, wissen wir: Jetzt ist das Ei bereit – und unser Wein kann ungestört reifen.
Viele erwarten einen völlig anderen Wein – doch unser Ziel war nicht, eine extreme Stiländerung zu schaffen, sondern die positiven Effekte einer Barrique-Reifung ohne Holznoten zu nutzen.
Das Feedback zeigt: Die Unterschiede sind subtil, aber spürbar. Der Wein ist runder, sanfter, eleganter, bleibt aber gleichzeitig frisch und lebendig.
Für uns ist das Betonei eine spannende Möglichkeit, Chardonnay anders zu interpretieren – mit Tiefe, aber ohne opulente Frucht oder aufdringliche Holznoten.
Das Betonei bleibt ein fester Bestandteil unseres „classic“ Chardonnay. Weitere Sorten werden wir damit jedoch nicht ausbauen – nicht jede Traube profitiert von dieser Technik.
Für uns zählt, dass jeder Wein die Lagerung bekommt, die ihm am besten steht.
Beim „classic“ Chardonnay ist es das Betonei – und wir sind gespannt, wie sich dieser Stil in den nächsten Jahren weiterentwickelt.
Cheers und bleibt neugierig,
Euer Thomas Lampert